Expeditionsbericht Cordillera Blanca 2002
Von der Fläche ist Peru gut dreieinhalbmal größer als das wiedervereinigte Deutschland. Mehr als die Hälfte der Fläche des drittgrößten Landes Südamerikas ist von Urwald bedeckt, 30% sind Hochland und nur 10% bleiben für den schmalen wüstenähnlichen Küstenstreifen am Pazifik. Peru hat ca. 23 Millionen Einwohner, die größtenteils in den Städten, viele in bitterster Armut, leben. Allein im Großraum Lima leben über 10 Millionen Leute unter z.T. unmenschlichen Lebensbedingungen. 40% der Bevölkerung sind Indios, fast ebenso viele Mestizen, den Rest bilden Weiße, Schwarze, Mulatten und Asiaten. Peru hat sich neben Nepal zum beliebtesten Trekking- und Bergsteigerland entwickelt. 30% der Landfläche bilden das Andenhochland, ein Gebiet größer als die BRD, Österreich und die Schweiz zusammen. Allein die Großartigkeit seiner Landschaft und Kultur übt genügend Reiz aus, zusätzlich zieren 56 Gipfel über 6000 Meter Höhe die peruanischen Anden. Die Berge können sich zwar nicht an Höhe mit den Achtausendern des Himalaya messen, aber an Schönheit mit allen Bergen dieser Erde konkurrieren. Das Aussehen, die Beschaffenheit der Berge Perus, der Gletscher, die Eis- und Schneeverhältnisse sind nicht mit denen der Alpen vergleichbar. Die Gletscher sind nicht in den Tälern eingebettet, sondern kleben oft an den steilsten Wänden. Die enormen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht verformen sie zu bizarrsten Gebilden.
Huaraz ist die Bergsteigerhauptstadt in Peru und wird auch als Chamonix der Anden bezeichnet. Die Stadt hat ca. 60.000 Einwohner und ist der Ausgangspunkt für alle Unternehmungen in der weißen und der schwarzen Kordillere. In den 80'er Jahren hat die Stadt durch den Bergsteigerboom einen nahezu kometenhaften Aufschwung erlebt. Von Saison zu Saison wurden kaum mehr zählbare Hotels, Restaurants, Bars Musiklokale und Trekkingunternehmen neu eröffnet. Ausrüstungsgegenstände jeder Art, Köche, Träger und Tragetiere können in den unzähligen Läden gemietet und organisiert werden. Zentraler Anziehungspunkt in Huaraz ist der weitläufige, täglich stattfindende Markt. Hier kann wirklich alles Notwendige und Überflüssige des täglichen Bedarfs organisiert werden.
Freitag 19. Juli 2002
München-Lima
Endlich geht es los! Nach der langen Ungewissheit, wegen Muskelfaserriß usw., ist der Start jetzt in Sicht. Das Gepäck habe ich schon gestern Abend im Schnelldurchlauf aufgegeben. Innerhalb von 5 min. war ich aus dem Flughafen wieder draußen. Mein Flug heute soll um 7:00 Uhr nach London starten, verspätet sich dann aber um 1 Std.. Von London geht es dann mit der American Airlines weiter nach Dallas. Für den Weiterflug von Dallas nach Lima sitze ich in der 1. Klasse, da Platz für eine Gruppe benötigt wurde. Damit gestaltet sich diese Teilstrecke dann auch als sehr angenehm. Ich lande dann pünktlich um 23:30 Uhr in Lima und komme recht zügig durch den Zoll. Das Gepäck ist auch alles da und der Michael, der Ralf, der Henning und der Reiner, die mit der Delta Airlines geflogen sind, warten schon auf mich. Unsere Pensionswirtin Fr. Kaiser hat uns einen Fahrer geschickt, der uns zu unserer Unterkunft bringt. Fr. Kaiser ist Deutsche und Anlaufpunkt für Deutsche in Lima. Wir beziehen unsere Zimmer und sind ziemlich müde, nach dem langen Flug. Deshalb gehen wir recht schnell zum Schlafen über. Unsere sechste Person, Daniel, ist schon einen Tag länger hier und noch im Nachtleben von Lima unterwegs. Morgen heißt es schon wieder früh aufstehen, da unser Bus nach Huaraz um 9:00 Uhr abfährt.
Samstag 20. Juli 2002
Lima-Huaraz
Fr. Kaiser hat ein super Frühstück gezaubert, mit Käse, Wurst und allem was so dazu gehört. Daniel ist auch anwesend, und so ist die Truppe nun komplett und ich lerne ihn auch kennen. Henning und Reiner habe ich beim ersten Treffen einmal gesehen und Ralf und vor allem Michael kenne ich schon etwas länger. Wir fahren dann zum Busterminal und geben unser Gepäck auf, was noch einmal kräftige Nachzahlung wegen Übergepäck bedeutet. Der Bus ist relativ modern und bequem und wir fahren dann um kurz vor 10:00 Uhr los. Das Wetter in Lima ist bedeckt, wie die meiste Zeit im Jahr. Die Fahrt geht anfänglich durch die sehr armen Vororte von Lima. Alles ist dreckig und durch das Wetter sieht alles noch viel trostloser aus. Die Vororte wollen dann einfach nicht aufhören. Erst nach ca. 1,5 Std. Fahrt sind wir draußen und der Pazifik kommt zum Vorschein. Der weitere Weg geht dann recht unspektakulär auf der Panamericana an der Küste entlang. Erst der Abzweig in die Berge macht die Fahrt wieder etwas interessanter. Von nun an geht es 4000 Hm nur noch bergauf. Das will dann einfach nicht mehr aufhören. Kurve reiht sich an Kurve und es geht immerzu bergauf. Aber dann ist der höchste Punkt erreicht und die ersten Berge der Cordillera Blanca kommen zum Vorschein.
(Blick auf die wunderbare Bergwelt)
Überall schaut ein weiß überzuckerter Gipfel hervor. Von da aus geht es wieder 1000 Hm nach unten und um 17:15 Uhr erreichen wir dann Huaraz. Zuerst sind wir noch abgeschottet im Busterminal, aber sobald wir raus kommen, nimmt uns das rege Treiben der Stadt auf. Wir suchen uns eine Unterkunft direkt im Zentrum, nicht sehr komfortabel (Wasser funktioniert erst mal nicht, Zimmer klein, keine Aussicht ...), aber zentral. Nach dem Essen, was durchaus überbietbar ist, bummeln wir noch ein bisschen durch die Stadt. Unsere benötigten Schraubgaskartuschen scheinen hier nicht so populär zu sein. Um 22:00 Uhr geht es zurück in die Pension und ab ins Bett.
Sonntag 21. Juli 2002
Huaraz
Schlaf war nur bis 6:30 Uhr möglich, denn ab da fingen die Hähne auf dem Dach unaufhörlich zu krähen an. In Peru ist der Hahnenkampf immer noch sehr populär und zu diesem Zweck hatte unser Pensionswirt acht Stück auf dem Dach.
(das Corpus Delikti ...) (Mittagessen)
Am Frühstück überlegen wir uns die weitere Vorgehensweise. Für die Akklimatisationstour wollen wir uns einen Koch und Esel organisieren. Das buchen wir dann über ein Trekkingunternehmen, die hier zahlreich vorhanden sind. Wir nehmen dann einen Koch, einen Eseltreiber und vier Esel. Den Koch wollen wir dann am Abend zum Einkaufen der Lebensmittel treffen. Nach dem Mittagessen, das nicht besonders gut war, fahren wir zu den Thermalquellen, die etwas außerhalb liegen. In dem warmen und mineralhaltigen Wasser kann man baden und relaxen. Zurück in Huaraz ist dann umpacken angesagt, da wir morgen starten wollen. Geplant ist die Akklimatisationstour von Montag bis Samstag, mit möglichen drei Fünftausendern im Quilcayhuancatal . Das Einkaufen der Lebensmittel müssen wir auf den nächsten Morgen verschieben, da die Läden schon geschlossen sind.
(Abendstimmung in Huaraz)
Montag 22. Juli 2002
Huaraz-Quilcayhuancatal
Schlafen bis 6:00 Uhr, dann wieder lästiges Wecken durch die Hähne. Ein Teil geht mit dem Koch zum Einkaufen, was sich als ziemlich kaotisch herausstellt. Er läuft völlig planlos kreuz und quer über den Markt und versucht irgend welche Dinge zu organisieren.
(geschäftiges Treiben auf dem Markt) (Wolle in allen Farben)
Aber irgendwann haben wir dann doch alles beisammen, holen noch unsere Ausrüstung in der Pension und packen alles auf den bereitstehenden Minibus. Wir fahren dann über einen Schotterweg bis auf 3700m rauf. Immer wieder kommen wir an kleineren Ansiedlungen vorbei. Die Leute leben von der Landwirtschaft und vom Handwerk. Die Felder werden von Hand, bestenfalls mit einem Zugtier bestellt. Für die Ernte werden die Pferde aus den Hochtälern eingefangen und zum dreschen des Getreides hergenommen. Am Eingang des Tales angelangt, laden wir das Gepäck um auf vier Esel, die uns die nächsten Tage begleiten werden. Thomas, ein noch junger Esel, darf mit seiner Mutter ohne Gepäck mitlaufen.
(Die Karawane setzt sich in Bewegung) (wunderbarer Ausblick)
Schon hier am Beginn des Tales eröffnet sich uns eine traumhafter Ausblick auf die umliegenden schneebedeckten Fünf- und Sechstausender. Wir marschieren dann bis 4000 m in das Tal hinein. Überall begegnen uns Kühe und Pferde, die von den umliegenden Bewohnern hier herauf getrieben wurden. Da das Tal am Anfang abgesperrt ist, können die Tiere nicht entwischen. Unser erster Lagerplatz liegt wunderschön an einem Bach. Als allerdings der Koch versucht den Gaskocher zum Laufen zu bringen, gehen die Probleme schon los. Der Anschluß der Gasflasche an den Kocher ist undicht und läßt sich nicht reparieren. Zu allem Überfluß ist die zweite Gasflasche ebenfalls defekt. So bleibt nichts anderes übrig für den Koch, als auf dem offenen Feuer zu kochen.
(wunderschöner Lagerplatz) (unser Koch in Aktion)
Der Eseltreiber soll dann morgen im Laufe des Tages einen neuen Kocher und funktionierende Gasflaschen in Huaraz besorgen. Es gibt dann Spaghetti mit Tomatensoße, alles nicht besonders gut, und zum Abschluß eine Gemüsesuppe, besser gesagt Wasser mit etwas Gemüse. Wir gehen mit der Hoffnung zum Schlafen, daß das Essen mit dem neuen Equipment besser wird.
Gehzeit: 2 Std. Hm: 300 Schlafhöhe: 4000m
Dienstag 23. Juli 2002
1. Lager-Basislager Maparaju
Heute kitzelt mich die Sonne und nicht die Hähne um 7:30 Uhr aus dem Zelt. Nach dem Frühstück ist der Michael schon voller Tatendrang, er will unbedingt heute schon einen Gipfel ersteigen. Er startet dann auch mit dem Ralf und der Rest hilft beim Bepacken der Esel. Wir wollen das Lager in das rechte Seitental etwas höher verlegen um von da aus dann zwei Fünftausender zu besteigen. Je weiter wir in das Tal hinein kommen, desto besser werden die Ausblicke auf die umliegenden Berge. Nach dem Aufbau des Lagers auf 4300m starten wir zu viert um den Weg für den morgigen Gipfel (Maparaju 5326m) zu erkunden. Zum Teil ist keine Spur erkennbar, aber die Richtung ist klar und so bahnen wir uns unseren eigenen Weg. Weiter oben finden wir dann wieder eine Spur und folgen der bis zu einer Lagune auf ca. 4700m. Der weitere Weg ist erkennbar und wir machen uns wieder auf den Rückweg. Von oben ist der Weg dann besser erkennbar. Um 15:30 Uhr sind wir wieder im Lager. Der Eseltreiber kommt dann mit der neuen Kochausrüstung, die dann tatsächlich funktioniert. Dementsprechend besser schmeckt dann auch das Essen heute. Der Reiner hält sich dabei stark zurück, ihm geht es nicht so gut. Er hat Durchfall und muß sich mehrmals übergeben. Für morgen planen wir um 5:30 Frühstück und um 6:00 Uhr Abmarsch zum Maparaju.
Gehzeit: 3:10 Std. Hm: 720 Schlafhöhe: 4300m
Mittwoch 24. Juli 2002
Basislager-Maparaju-Basislager
Die Nacht war etwas unruhig, was aber nicht am Wetter lag. Mein Zeltpartner Reiner war ständig unterwegs und hat gebrochen und starken Durchfall. In diesem Zustand kann er heute unmöglich mitgehen. In der Nacht hat es auch Daniel und Ralf erwischt. Beide haben Durchfall, wollen es aber heute trotzdem probieren. Wir brechen dann um 6:15 Uhr auf. Bei Daniel stellt sich schon sehr bald heraus, daß er nicht weiter gehen kann und er dreht wieder um. Ralf verschwindet zwar immer wieder in den Büschen, ansonsten geht es ihm aber gut und er will aber unbedingt weiter gehen. Wir kommen dann gut voran, obwohl es mir heute viel schwerer fällt als gestern. Bei 5000m erreichen wir dann den Gletscher. Da die Bedingungen ideal sind, mit wenigen sichtbaren Gletscherspalten, gehen wir ohne Seil. Über 5000m nimmt die Anstrengung dann noch einmal kräftig zu, die noch fehlende Akklimatisation macht sich halt bemerkbar. Aber dann ist der erste Gipfel nach 4 Std. erreicht und die Freude ist groß. Leider ist das Wetter heute nicht mehr so gut und entsprechend schlecht ist dann auch die Aussicht. Zwar reißt ab und zu die Wolkendecke etwas auf, aber so richtig gut ist es nicht.
(Gipfel und Aufstiegsroute zum Maparaju) (strahlende Gesichter auf dem Gipfel)
Beim Abstieg fühle ich mich etwas schlapp, was ich auf die mangelnde Akklimatisation zurück führe. Nach 2 Std. bin ich wieder im Lager und ruhe mich erst mal im Zelt aus. Ich fühle mich nicht so gut und prompt geht dann auch bei mir der Durchfall los. Dem Henning geht es auch nicht so gut, Daniel, Ralf und Reiner gar nicht gut. Das Wetter sieht auch nicht mehr gut aus, es ziehen immer mehr Wolken auf. Für morgen ist der gegenüberliegende Berg mit 5400m geplant, bei dem uns wohl ein mühsamen Aufstieg durch loses Geröll bevorsteht. Aber erst mal schauen, wie es mir morgen geht. Nach dem Abendessen, verziehe ich mich sofort ins Zelt.
Gehzeit: Aufstieg: 4Std., Abstieg: 2Std. Hm: 1155 Gipfel: Maparaju 5326m Schlafhöhe: 4300m
Donnerstag 25. Juli 2002
Basislager Maparaju-Basislager Waipi
In der Nacht hat es geregnet und gegraupelt. Ich mußte zweimal raus mit Durchfall. Entsprechend schlecht geht es mit heute und das Wetter hat sich dem Zustand angepasst. Außer dem Michael, der auch schon Anzeichen von Durchfall hatte aber sofort Immodium eingeworfen hat, geht es dem Rest der Truppe mehr oder weniger schlecht. Am Schlimmsten hat es jetzt den Henning erwischt, der auch noch Fieber hat. An einen Gipfelgang wäre bei dem Wetter eh nicht zu denken gewesen, so beschließen wir, das Lager in das andere Seitental auf 4600m zu verlegen. Mir geht es immer schlechter und der Durchfall wird immer schlimmer. Ich überlege dann direkt abzusteigen und zurück nach Huaraz zu gehen, gehe dann aber doch mit den anderen weiter. Henning schleppt sich nur mühsam dahin und ist dann nicht mehr in der Lage weiter zu gehen. Wir schlagen dann das Lager etwas niedriger als geplant, wieder auf 4300m auf. Ralf, Henning und ich bleiben im Lager, Reiner und Daniel, denen es wieder etwas besser geht, gehen mit Michael noch zu der etwas höher gelegenen Lagune. Für morgen ist der Waipi mit 5400m geplant. Falls es mir einigermaßen geht, werde ich versuchen zumindest ein Stück mitzukommen.
Gehzeit: 2 Std. Hm: 300 Schlafhöhe: 4300m
Freitag 26. Juli 2002
Basislager Waipi-Waipi-Basislager Waipi
Um 5:30 Uhr schaue ich aus dem Zelt raus. Das Wetter sieht nicht gut aus und wir beschließen noch eine Stunde zu warten. Um 7:30 Uhr geht es dann trotz nicht optimalem Wetter los. Da ich nur einmal in der Nacht auf dem Klo war (dank Birkenkohle), beschließe ich mal mit zu gehen. Das stellt sich dann aber sehr schnell als großen Fehler heraus. Ich merke schon auf den ersten Hm, daß ich nicht fit bin. Je höher es rauf geht, desto größer wird die Qual und ich schleppe mich Hm für Hm nach oben. Eigentlich hätte ich schon längst umdrehen sollen, aber der Gipfel vor Augen reizt halt ungeheuerlich.
(Gipfel des Waipi) (und ich hab sie doch erwischt, farbenprächtige Peruanerinnen)
Bei 5000m geht es dann wirklich nicht mehr. Ich bin total am Ende und sehne mich nur noch nach meinem Schlafsack. Der Abstieg ist dann ebenfalls eine Qual. Das Einzige was mich vorwärts treibt ist die Aussicht auf einen warmen Platz im Zelt. Unten angekommen verschwinde ich dann auch sofort im Zelt und schlafe erst mal eine Runde. Der Rest kommt ziemlich spät zurück. Sie hatten bei der schlechten Sicht erhebliche Probleme den richtigen Weg zu finden und haben sich mehrmals verlaufen.
Gehzeit: 5 Std. Hm: 750 Schlafhöhe: 4300m
Samstag 27. Juli 2002
Basislager Waipi-Huaraz
Da es heute wieder zurück nach Huaraz geht, können wir alles etwas ruhiger angehen. Mir geht es nach wie vor noch nicht gut. In der Nacht hat es wieder öfters geregnet, aber im Moment scheint die Sonne. Nach dem Frühstück packen wir unser Zeug zusammen und brechen auf in Richtung Talanfang, wo wir von einem Taxi abgeholt werden sollen. Auf dem Weg zurück geht es mit immer schlechter und ich merke, daß jetzt auch noch Fieber dazu gekommen ist. Ich bin froh, als der Talanfang erreicht ist. Die Rückfahrt über die holprige Strecke ist in meinem Zustand dann noch mal ätzend, aber irgendwann erreichen wir dann Huaraz. In der Pension angekommen, lege ich mich sofort ins Bett.
Sonntag 28. Juli 2002
Huaraz
Wecken wieder wie gewohnt mit den Hähnen. Heute geht mir wieder etwas besser. Ich habe wohl kein Fieber mehr, muß aber erst wieder zu Kräften kommen. Der Durchfall ist leider immer noch vorhanden. Für heute ist erst mal Ruhetag angesagt. Das Wetter in den Bergen sieht nicht gut aus, viele Wolken. Beim Frühstück überlegen wir die weitere Vorgehensweise. Da die Akklimatisation nicht optimal verlaufen ist, schlägt der Michael vor, vor dem schweren Chopicalqui noch einen einfacheren 6000'er zu machen, den Nevado Pisco. Da der aber als nicht so berauschend angesehen wird, beschließen wir lieber gleich auf den Chopicalqui zu steigen. Geplant ist der Aufbruch für morgen, mit Fahrt ins Llaganuco-Tal und kurzem Aufstieg ins Basislager. Da bleibt also nicht viel Zeit zum Erholen. Da wir diesmal keine Esel haben werden, muß jeder für 5 Tage alles selber schleppen. Für die Zelte bilden wir drei Zweiergruppen, wobei ich mein Zelt mit dem Reiner teile. Heute ist Nationalfeiertag in Peru. Am Mittag gibt es eine große Parade auf der Hauptstraße, die ziemlich steif wirkt. Abends gibt es dann ein Open-Air Konzert, bei dem einige gute Gruppen auftreten. In der Menschenmasse ist natürlich erhöhte Vorsicht geboten und prompt wird dem Henning auch der Geldbeutel geklaut. Zum Glück war nur wenig Geld drin und keine Papiere. Später gehe ich dann noch in die Kneipe Extreme, in der es die besten Pisco Sour gibt.
Besteigung Chopicalqui
(Unser Ziel, der Chopicalqui, mit Schneefahne)
Montag 29. Juli 2002
Huaraz-Basislager Chopicalqui
Aufstehen, Frühstücken und restl. Zeug zusammen packen. Der Rucksack ist dann ziemlich schwer, wie soll der nur auf den Berg kommen? Der Durchfall ist zwar noch nicht ganz weg, aber doch deutlich besser. Wir marschieren dann zum Busbahnhof und nehmen uns ein Sammeltaxi nach Yungay. Dort ist dann umsteigen in Richtung Llaganuco-Tal angesagt, was ohne Probleme klappt. Am Huascaran-Nationalparkeingang muß pro Person ein Eintritt von $20.- bezahlt werden. Das Taxi läßt uns dann in der Kurve zum Chopicalqui raus und wir laufen dann noch bis zum Basislager auf 4400m Höhe. Da ist schon einiges los und wir stellen unsere Zelte zwischen die anderen. Kaum ist unser Zelt aufgebaut, fängt es auch schon wieder an zu regnen. Der Regen geht dann in Graupeln über und mit einigen kurzen Unterbrechungen geht das so die ganze Nacht.
Gehzeit: 1 Std. Hm: 150
Dienstag 30. Juli 2002
Basislager-Moränenlager
Als ich aufwache, höre ich immer noch das Prasseln des Regens auf dem Zelt. Also keinen Grund zur Hektik und so bleibe ich erst mal liegen. Als es dann aufhört gehen wir weiter zum Moränencamp. Der Weg geht zuerst auf der einen Seite der Moräne hoch, dann durch den Moränenschutt auf die andere Seite und da dann auf dem Moränenrücken entlang, erst flacher und dann steil nach oben. Der Chopicalqui hält sich sehr bedeckt, aber der benachbarte Huascaran wird immer wieder für atemberaubende Blicke frei. Auf dem Weg zum Camp kommen uns einige Gruppen entgegen, die alle ohne Gipfelerfolg wieder umdrehen mußten (z.Z. seit einer Woche am Berg). Keine rosigen Aussichten für uns. Das Camp liegt dann auf 4900m Höhe und ist durch eine hohe Felswand geschützt. Kaum habe wir unser Zelt aufgebaut, fängt es auch schon an zu regnen. Der Regen geht dann in Schnee über und innerhalb kürzester Zeit ist alles weiß.
(Moränenlager ohne Schnee) (Moränenlager und mein Zelt mit Schnee)
Auf dem Weg zum Moränencamp habe ich gemerkt, daß es mir zwar schon wieder viel besser geht, ich aber noch nicht 100% wieder fit bin. Als das Wetter mal wieder kurz Pause macht, hole ich genügend Wasser für heute und morgen. Für morgen wäre der Weiterweg zum Hochlager, oder aber noch eine weitere Nacht zur Akklimatisation auf dieser Höhe geplant. Der Reiner würde lieber noch eine weitere Nacht auf dieser Höhe verbringen. Dem Michael geht es nicht so gut, der klagt über Fieber und will morgen absteigen und nach Hause fliegen!? Schauen wir mal. was der morgige Tag bringt. Das Wetter sieht total schlecht aus, aber trotzdem will ein Engländer mit zwei Führern morgen um 2:00 Uhr aufbrechen um den Gipfel zu erreichen. Bei dem Wetter ein recht fragwürdiges Unternehmen.
Gehzeit: 2 Std. Hm: 500 Schlafhöhe: 4900m
Mittwoch 31. Juli 2002
Moränenlager-Hochlager
In der Nacht klart es dann doch tatsächlich auf. Als ich zum Pieseln raus muß, ist es sternenklar. Ich überlege mir, auch in der Nacht zum Gipfelversuch aufzubrechen. Vielleicht ist das die einzige Chance, bei diesem Wetter. Aber ich habe noch nicht einmal ganz eine Nacht auf 4900m geschlafen und bis zum Gipfel wären es 1450Hm. Bestünde da überhaupt eine Chance? Wahrscheinlich eher nicht und deshalb verwerfe ich den Gedanken dann wieder. Am Morgen ist dann bestes Wetter.
(Ausblick bei bestem Wetter vom Moränenlager auf den Huandoy)
Wir beschließen bis zum Hochlager auf 5600m weiter zu gehen. Ich warte, bis die Sonne zum Zelt kommt, damit dies wenigstens ein wenig trocknen kann. Ich packe dann zusammen und breche auf in Richtung Hochlager. Zuerst geht es durch übles Steinwerk, bis dann auf ca. 5000m der Gletscher beginnt. Der Gletscher ist beeindruckend, mit vielen großen und kleinen Spalten. Ich binde mich mit Michael (dem es heute wieder besser geht) und Ralf ins Seil. Der Weg verläuft landschaftlich wunderbar durch den Gletscher nach oben. Immer wieder sind spektakuläre und riesengroße Gletscherspalten zu sehen, die großflächig umgangen werden müssen.
(auf dem Weg zum Hochlager mit Gipfel) (riesige Spalten)
Wir kommen dann gut voran und im Lager angekommen ist diese überraschenderweise total leer. Wir suchen uns einen schönen Platz raus und ich warte auf die zweite Seilschaft mit dem Rest von meinem Zelt, die etwas später kommt. Ich koche schon mal kräftig Wasser, damit ich genügend zu trinken habe. Als der Reiner kommt, bauen ich das Zelt auf und trinke und trinke und trinke.
(Hochlager) (Hochlager mit Blick auf den Huascaran)
Ich merke zwar die Höhe bei jeder Anstrengung, aber ansonsten geht es mir gut. So nach und nach kommen immer mehr Leute in das Lager und entsprechend unterschiedlich gestalten sich auch die Aufbruchszeiten für den nächsten Tag. Das griechische Pärchen neben uns will um 3:00 Uhr starten, dei Venezuelaner mit Führer um 2:00 Uhr, die Franzosen ebenfalls um 3:00 Uhr, Daniel, Henning und Reiner um 4:00 Uhr und wir um 5:00 Uhr. Am Nachmittag ziehen dann wieder einige Wolken auf und ich hoffe, daß das Wetter für den morgigen Tag noch hält. Ich mache mir dann als Abendessen Bratkartoffeln mit Speck als Fertignahrung, aber richtig in der Pfanne gebraten. Der Geruch zieht dann auch gleich eine Menge Leute an, die mich alle beneiden. Das Essen schmeckt dann auch sehr lecker. Als nach dem Essen die Sonne hinter den Wolken verschwindet, wird es gleich ziemlich kalt und ich verziehe mich ins Zelt. Kurz bevor die Sonne dann endgültig hinter den Bergen verschwindet, schaut sie noch mal zwischen den Wolken durch und beschert uns einen wunderschönen Sonnenuntergang.
(Sonnenuntergang aus dem Bilderbuch)
Gehzeit: 3 Std. Hm: 700 Schlafhöhe: 5600m
Donnerstag 01. August 2002
Hochlager-Chopicalqui-Huaraz
Mir ging es ganz gut in der Nacht, aber trotzdem war nicht viel mit Schlafen, es war eher ruhen angesagt. Um 2:00 Uhr fangen dann die ersten an zu packen und um 3:00 Uhr fängt dann auch der Reiner an. Da von diesem Zeitpunkt an eh nicht mehr an Schlafen zu denken ist, würde ich auch am liebsten gleich aufstehen. Ich vereinbare dann mit meinen Seilpartnern etwas früher um 4:30 Uhr zu starten. Ich essen dann ein wenig Müsli und ziehe mich an, Powerstrech-Hose, darüber Tourenhose, zwei paar dicke Socken, zwei Fleece-Jacken und die GoreTex-Jacke darüber, Klettergurt und Fingerhandschuhe. Zum Anziehen der Steigeisen vor dem Zelt muß ich kurz die Finger aus den Handschuhen nehmen und habe sofort eiskalte Finger. Es ist saukalt hier draußen. Die anderen Beiden sind dann auch soweit und wir seilen uns an. Der Ralf geht ganz vorne, in der Mitte ich und am Schluß der Michael.
(Nächtlicher Aufbruch) (Die ersten Sonnenstrahlen am Huascaran)
Unsere erste Seilschaft ist auch erst kurz vor uns gestartet. Ich gehe erst mal nur mit den Fingerhandschuhen los, merke dann aber sehr schnell, daß es dazu einfach zu kalt ist. Mit den dicken Überhandschuhen darüber wird es dann aber schnell besser. Nach kurzer Zeit schon erreichen wir den Grat und der Blick ins gegenüberliegende Tal mit dem nächtlich erleuchteten Huaraz ist überwältigend. Der Ralf legt ein ordentliches Tempo vor, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Die Route verläuft immer wieder im Zick Zack um riesige Gletscherspalten herum. Da spärlich markiert, dürfte das bei schlechten Verhältnissen nicht unproblematisch sein. Allerdings existiert heute schon eine gute Spur und wir haben keine Probleme mit der Wegfindung. Als wir dann unsere erste Seilschaft einholen, klinkt sich da gerade der Reiner aus und will zurück zum Hochlager gehen. Er hat Probleme mit den kalten Händen und Füßen und vielleicht auch ein wenig mit der Motivation. Originaltext: "Bergsteigen soll Spaß machen und das tut es ihm hier nicht!" Daniel und Henning gehen dann zu zweit weiter. Wir kommen dann zu ersten Steilaufschwung. Der dürfte so 50°-55° auf einer Länge von 70m sein. Beim Klettern auf den Frontalzacken werden die Zehen recht schnell kalt, aber es ist erträglich. Es folgen dann noch weitere Steilaufschwünge. So langsam wird es hell, aber da die Route im morgentlichen Schatten liegt, wird es nicht wärmer.
(Aufstiegsspur in der Sonne) (Auf dem Weg zum Gipfel des Chopicalqui)
Bevor wir dann unter einem riesigen Eiswulst zum Gipfelgrat queren, überholen wir noch etliche langsamere Seilschaften. Am Gipfelgrat kommen wir dann in die Sonne, aber es wird nicht viel wärmer, da der Wind kalt und kräftig bläst. Mit zunehmender Höhe macht sich dann die noch mangelnde Akklimatisation bemerkbar und es wird immer anstrengender. Über eine ziemlich steile Stelle erreiche ich dann den Vorgipfel. Vom Vorgipfel geht es dann über eine schmale Eisbrücke noch einige Meter bis zum Hauptgipfel. Endlich geschafft, es ist 8:45 Uhr und wir liegen uns in den Armen.
(Die Eisbrücke zum Gipfel) (Die strahlenden Bezwinger)
Die Aussicht ist grandios, allerdings sind die weiter hinten gelegenen Gipfel z.T. in Wolken.
Zum Fotografieren nehme ich kurz die Hände aus den Handschuhen und habe sofort eiskalte Finger. Ich würde gerne was trinken, aber mein Getränk ist eingefroren. Aus Gewichtsgründen habe ich die Thermoskanne unten gelassen, was sich nun als großer Fehler erwiesen hat. Ich nehme dann einen Schluck von Michael, aber da schwimmen ebenfalls schon Eisstücke drin. Mein Hals schmerzt leicht und die Nase füllt sich immer wieder mit Schleim, was ich auf den schneidenden Wind zurück führe. Wir verweilen dann eine ganze Weile auf dem Gipfel und genießen die tolle Aussicht, mit der Hoffnung, daß die anderen Beiden auch noch kommen. Nach einer halben Stunde ist es uns aber dann doch zu kalt und wir beginnen mit dem Abstieg. Kurz unterhalb des Gipfels treffen wir dann auf den Henning und den Daniel. Die haben es dann auch bald geschafft. Beim Abstieg kommen wir dann ganz gut voran. An der Steilstufe setzen wir dann einen Firnanker und seilen mit Hilfe eines zweiten Seils von zwei Engländern eine Seillänge ab. Den Rest klettern wir ab und von da an erwarten uns keine großen Schwierigkeiten mehr.
(Abstieg mit Blick zurück zum Gipfel) (Im Eisbruch)
Um 11:00 Uhr, also nach 1:45 Uhr, sind wir dann wieder im Hochlager und werden von Reiner empfangen. Da heißt es dann erst mal Wasser kochen und trinken, trinken, trinken. Nach ca. 1 Std. Pause fangen wir dann an unser Zeug für den weiteren Abstieg zu packen. Da wir so früh dran sind, wollen wir noch bis zur Straße absteigen und möglichst nach Huaraz zurück kommen. Henning und Daniel kommen ca. 1 Std. nach uns ins Hochlager.
(Daniel geschafft aber glücklich)
Da Sie heute nicht mehr bis ganz nach unten absteigen wollen, trennen wir uns. Wir kommen dann beim Abstieg zügig voran, passieren das Moränenlager und marschieren über den Moränenrücken nach unten. Das letzte Stück über das Basislager zur Straße zieht sich dann noch einmal ewig hin, aber um 15:00 Uhr steh ich dann doch an der heiß ersehnten Straße. Zu unserem Glück steht da schon ein Taxi nach Yungay und als Ralf und Reiner entreffen, fahren wir los. Da das Taxi noch voll werden muß, halten wir immer wieder an und warten auf weitere Passagiere. In Yungay werden wir dann gleich wieder von dem nächsten Taxi nach Huaraz eingefangen. Da der kein Dachträger hat, werden die Rucksäcke mit einer dünnen Schnur direkt auf dem Autodach befestigt. Ob das wohl gut geht? Auf der rasanten und holperigen Fahrt schaue ich immer wieder nach hinten, ob nicht eines der Gepäckstücke herunter gekommen ist. Aber in Huaraz ist dann tatsächlich alles noch da. Nach einer kurzen Dusche gehen wir dann noch was essen und ich falle dann todmüde ins Bett. Meine Halsschmerzen haben sich verschlimmert und die Nase ist auch zu, kein gutes Zeichen.
Gehzeit: Aufstieg 4 Std., Abstieg 2:45 Std. Hm: Aufstieg 865Hm, Abstieg 2100Hm Gipfel: Chopicalqui 6354m
Freitag 02. August 2002
Huaraz
Ich habe so gut geschlafen, daß ich nicht mal die Hähne in der Früh so richtig gehört habe. Die Halsschmerzen sind immer noch da und der Schnupfen wird nach dem Aufstehen immer stärker. Heute ist Relaxen angesagt, Karten schreiben, im Internet surfen und auf der Terasse lesen. Nachmittags kommen Henning und Daniel zurück, die noch einmal im Basislager übernachtet hatten. Nach dem Essen am Abend verabschiede ich mich recht bald, da die Erkältung immer schlimmer wird. Im Laufe des Tages hat sich jetzt auch noch der Husten dazu gesellt.
(Abendstimmung in Huaraz mit Blick auf die Cordillera Blanca))
Samstag 03. August 2002
Huaraz
Leider geht es mir heute noch schlechter. Der Husten ist nun ziemlich stark geworden. An einen Aufbruch zum nächsten Berg ist in meinem Zustand nicht zu denken. Da ich außerdem nur noch bis zum Freitag Zeit hätte, beschließe ich zu versuchen einen früheren Flug zu bekommen. Beim Frühstück geht dann die Diskussion über die weitere Vorgehensweise los. Da ich nicht mehr so viel Zeit wie die anderen habe, beschließe ich wenn möglich früher nach Hause zurück zu fliegen. Bei den anderen zeichnet sich ab, daß ein Teil lieber zum Alpamayo gehen würde und der Michael unbedingt zum Huascaran. Ich telefoniere dann mit American Airlines und bekomme einen Flug am Montag. Damit ist die weitere Vorgehensweise für mich klar, ich werde morgen zurück nach Huaraz fahren mit dem Bus und am Montag zurück nach Deutschland fliegen. Wir treffen und dann zum Mittagessen und die Diskussion geht weiter. Es gibt viele Möglichkeiten, aber für keinen voll zufriedenstellende. Henning und Daniel wollen zum Alpamayo, aber auch nicht in einer 3-er Seilschaft. Somit bleibt der Reiner übrig, der auch gerne zum Alpamayo möchte, aber keinen Partner hat. Michael und Ralf wollen zum Huascaran, können das aber nicht in einer Zweierseilschaft machen. Die ganze Diskussion wird dann immer emotionaler und artet dann auch zu einem handfesten Streit aus. Ich klinke mich dann aus und besorge mir ein Busticket nach Lima für den morgigen Tag. Als ich zurück in die Pension komme, überschlagen sich die Ereignisse. Der Reiner will jetzt mit mir mit nach Lima fahren und in der restlichen Zeit noch die Inca-Stätten im Süden des Landes besuchen. Der Huascaran ist gesperrt, weil die Passage durch die Gargenta zu gefährlich ist und in dieser Saison schon ca. 20 Todesopfer gefordert hat. Michael und Daniel wollen jetzt auf den Nevado Copa gehen und da den Reiner mitnehmen. Daniel und Henning haben einen Ami aufgetrieben, der mit dem Reiner zum Alpamayo gehen würde. Der Reiner nimmt sich noch Bedenkzeit und es ist wieder alles offen. Am Abend gehen wir ohne Michael zum Essen und anschließend noch ein Pitcha trinken, da es ja unser letzter gemeinsamer Abend ist. Alles etwas unharmonisch zum Schluß!
Sonntag 04. August 2002
Huaraz - Lima
Eigentlich wollte ich etwas früher aufstehen, um zu duschen, aber meine Erkältung ist kaum besser geworden und so verkneife ich mir das Duschen. Nachdem alle wach sind, geht die Diskussion wieder los. Michael will jetzt nach Hause fliegen und der Reiner packt seine Sachen zusammen, was wohl heißt er fährt mit mir zurück nach Lima. Nach dem Frühstück wird es dann Zeit an den Abschied zu denken. Wir gehen dann zum Busterminal und kommen recht pünktlich weg. Daniel und Henning wollen wohl morgen zum Alpamayo aufbrechen, Michael und Ralf zum Pisco. Unser Bus fährt zuerst wieder 1000 Hm zum Paß rauf, wobei sich immer wieder tolle Blicke auf die schneebedeckten Eisriesen auftun. Beim Blick zurück kann ich noch lange den mächtigen Huascaran und daneben den von uns bestiegenen Chopiqalqui sehen. Ab der Passhöhe geht es dann nur noch nach unten und die Berge verschwinden recht bald. Auf der Höhe von 400m kommt dann plötzlich der Küstennebel wieder auf. Alles wirkt dann auf einmal grau und trostlos. Je näher wir dann Lima kommen, desto dreckiger und verwahrloster wird alles. Am Busterminal in Lima nehmen wir uns dann ein Taxi und fahren zu Fr. Kaiser, bei der wir uns eine Unterkunft erhoffen. Das klappt dann auch wunderbar, allerdings läßt der Reiner, in der allgemeinen Verwirrung beim Ausladen des Gepäcks, seinen Sack im Kofferraum des Taxis liegen. Obwohl er noch einen Tag länger in Lima war, sollte er diesen nicht wieder bekommen. Das war natürlich sehr ärgerlich, denn da waren viele teure Ausrüstungsgegenstände enthalten. Bevor wir dann noch was Essen gehen, organisiere ich noch ein Taxi für die Fahrt zum Flughafen morgen um 4:00 Uhr in der Früh. Fr. Kaiser hat da einen zuverlässigen Fahrer ...
Montag 05. August 2002
Lima - München
Ich stehe um kurz vor 4:00 Uhr auf und der Fahrer ist tatsächlich schon da. In Lima ist um diese Uhrzeit noch nicht so viel los und wir sind in 30 Min. beim Flughafen. Mit dem umgebuchten Flug geht dann alle klar und das Gepäck wird bis München durchgecheckt. Na da bin ich ja mal gespannt. Der Flug geht dann pünklich um 7:00 Uhr in Lima weg. In Miami habe ich dann 6 Std. Aufenthalt und überlege zum Beach zu fahren. Als ich dann aber aus dem Flughafe raus gehe, trifft mich fast der Schlag, so heiß und drückend ist es da. Da gehe ich schnell wieder zurück in den klimatisierten Flughafen. Der weitere Flug geht dann über London nach München. In München stehe ich dann voller Spannung an der Gepäckausgabe. Tatsächlich kommen dann alle Gepäckstücke von mir. So hat mich also München wieder und draußen warten meine beiden Mädchen auf mich ...
Trotz nicht optimalem Verlauf schon in der Akklimatisationsphase, konnte ich einen Fünf- und einen wunderschönen Sechstausender besteigen. Die Landschaft der Cordillera Blanca ist phantastisch und jederzeit einen weiteren Besuch wert. Grundsätzlich sind die Berge im Vergleich zum Himalaya besser und einfacher zugänglich. Der organisatorische und logistische Aufwand ist bei weitem geringer und die Ziele können kurzfristig von Huaraz aus gewählt werden. Huaraz kann immer wieder zum 'Auftanken' angelaufen werden. Leider hat es für mich zu den noch möglichen weiteren Bergen nicht mehr gereicht. Aber trotz allen Wiedrigkeiten war es eine gelungene Aktion in einer faszinierenden Landschaft.